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Mobilities as pathways
to hidden competences

Mobilities as pathways to hidden competences

Videobasierte Selbstpräsentation

Verborgene Kompetenzen

Der myVETmo-Ansatz ist es, Fähigkeiten und Kompetenzen zu entdecken, die durch Erfahrungen bei Praktika (auch im Ausland) entwickelt wurden, und diese Fähigkeiten und Kompetenzen sichtbar zu machen. Zuerst sollten die Lernenden befähigt werden, ihre eigenen Kompetenzen zu erkennen. Aber auch Lehrkräfte und Arbeitgeber sollten diese dem Lern- und Ausbildungsprozess zuordnen können.

Traditionell teilen wir die Fähigkeiten, die in internationalen Erfahrungen erlangt werden, als Sprachkompetenzen, interkulturelle Kompetenzen, Toleranz, Weltoffenheit usw. ein. Dies umfasst aber noch lange nicht alles! Internationale Erfahrungen können auch ein sehr aussagekräftiger Indikator für persönliche Eigenschaften (wie Produktivität, Widerstandsfähigkeit und Neugier) sein, die Arbeitgeber bei Bewerber/innen suchen.

Competences
Von rollenbasierter Kompetenzbilanzierung zu videobasierter Selbstpräsentation

Das Lernziel ist die Entwicklung eines stärkenorientierten Selbstkonzepts. Die/der Lernende sollte in der Lage sein, sich selbst zu beurteilen, mit der Beurteilung Anderer umzugehen, bestimmte Rollen in verschiedenen Lebenssituationen zu benennen und diese hinsichtlich ihrer Rolle für Erwerbstätigkeit zu analysieren. Sie/er kann von Beschäftigung auf eigene Stärken ableiten, den Charakter und die Stärken des eigenen kulturellen Hintergrundes benennen und diese kritisch reflektieren. Leitfragen sind:

  • Wie können wir Lernende dabei unterstützen, verborgene Kompetenzen in informellen Kontexten zu entdecken?
  • Wie können wir Lernende dazu bringen über ihre eigenen Aktivitäten nachzudenken?
  • Wie können wir individuelle Stärken aufdecken? (Was machen wir mit aufgedeckten Schwächen?)
  • Wie können wir Selbstbeurteilung und Fremdbeurteilung arrangieren? (und wer wird zur Fremdbeurteilung herangezogen?)
  • Wie können wir Stärken und Kompetenzen festhalten und dokumentieren?
  • Wie können Lernende ihre entdeckten Stärken in einem Video zeigen?
  • Wie können die entdeckten Stärken Grundlage für neue Lernziele in einer Mobilität werden? (z. B. Fehlen bestimmte wichtige Stärken, welche im Rahmen der Mobilität erlangt werden könnten?)

role based competence model

Rollenbasiertes Kompetenzmodell

Die „Videobasierte Selbstpräsentation“ (VBS) ist auch – sozusagen – ein experimenteller Ansatz für Lernen in der Berufsbildung. Kompetenzen werden weniger durch Wissenserwerb erlangt sondern vielmehr durch Erfahrungen im berufsbezogenen Auslandspraktikum, einer professionellen Problemsituation, welche einen Anreiz für die Entwicklung von professionellen Fähigkeiten gibt. Die Erfahrung des Praktikums wird reflexiv herausgearbeitet, die Lernenden „erfahren sich selbst“ während des Praktikums. Die „Videobasierte Selbstpräsentation“ hat das Ziel, den Auslandsaufenthalt der Lernenden oder ihre Berufserfahrungen mit dem Arbeitsmarkt zu verbinden. Die VBS sollte Informationen über die derzeitige Situation der/des Lernenden sowie ihren/seinen Erfahrungen und Interessen während des Auslandsaufenthaltes enthalten. In Zukunft könnte die VBS bei Bewerbungen genutzt werden. Beispielvideo und Erfahrungsbericht:

Matias (Raseko)

Das vorrangige Ziel der videobasierten Selbstpräsentation in diesem Projekt war nicht der/dem Lernenden eine Stelle zu verschaffen, sondern ihre/seine verborgenen Kompetenzen offenzulegen. Deshalb ließen wir die Lernenden ihre Videos selbst planen. Es gab keine Filmgruppe zur Hilfe, nur zwei Lehrkräfte, die keine speziellen Kenntnisse über die Benutzung des Equipments hatten. Die Videos wurden mit Smartphones aufgenommen. Vorteile dieser Art und Weise ist, dass die Erstellung eines Videos relativ einfach zu machen ist und prinzipiell für alle Lehrkräfte und Lernenden möglich.

Matias ist ein 18-jähriger Schüler im Bereich Wirtschaft und Verwaltung/Verkauf und Marketing, der Lernschwierigkeiten und daher spezielle Bedürfnisse hat. Seine Lernziele sind moduliert.

Sein Hobby ist Basketball und er spielt in einer Mannschaft. Teil eines Teams zu sein ist für ihn sehr wichtig. Er spielt in der gleichen Mannschaft seit er klein ist. Er ist der einzige Spieler mit Behinderung und es war sehr wichtig für sein Selbstwertgefühl von seinen Mitspielern akzeptiert zu werden.  

Der Grund warum er ausgewählt wurde an einem Auslandspraktikum in Úbeda (Spanien) im März 2018 teilzunehmen war, dass er bereits Erfahrungen mit Reisen mit seiner Basketball-Mannschaft hat. Trotz seiner Lernschwierigkeiten spricht er gut Englisch und ist teamfähig.

Die Gruppe, welche aus vier Lernenden und zwei Lehrkräften bestand, traf sich zum ersten Mal ca. zwei Monate vor Beginn der Mobilität. Zwei der Lernenden kannten sich bereits schon, aber Matias und ein weiterer Schüler aus Wirtschaft und Verwaltung kannten niemanden. Das Treffen begann mit gegenseitigem Kennenlernen, und das erste Video wurde während dieser ersten Zusammenkunft ebenfalls gedreht.
Die Lernenden sammelten ihre Stärken durch Interviews und Moodboards. Die Unterstützung durch die Lehrkräfte war essenziell aufgrund der schwierigen Zielgruppe. Alle Lernenden hatten auf ihre Weise Kommunikationsschwierigkeiten.

Den Lernenden wurde die videobasierte Selbstpräsentation vorgestellt und es wurden ihnen Beispiele gezeigt. Danach wurden ihnen Fragen gestellt. Dann planten sie selbst den Inhalt. Matias war der Einzige, der Englisch sprechen wollte.

Während der Mobilität arbeitete er in einem kleinen Laden für Möbel und Deko. Seine Aufgaben waren Produkte in die Regale zu räumen und zu putzen. Seine Lehrkraft war die meiste Zeit bei ihm um ihm zu erklären, was er zu tun hatte. Niemand in dem Geschäft sprach Englisch.
Die Zeit nach dem Praktikum in der Schule war anstrengend. Matias hatte zwei Wochen Unterricht verpasst und musste die versäumten Aufgaben nacharbeiten. Auch die Lehrkräfte waren sehr beschäftigt, denn die Lernenden machen in Finnland ihre Abschlüsse Ende Mai. Zwei der Lernenden setzten ihr Praktikum in Finnland fort, daher war keine Zeit für ein richtiges Feedback-Treffen. Auch Matias machte seinen Abschluss.

Wir trafen Matias wieder im Oktober, um das letzte Video zu drehen. Er arbeitet jetzt in Teilzeit in einem Second-Hand-Laden als Reinigungskraft. Diese Art Arbeit wird voraussichtlich auch in Zukunft für ihn verfügbar sein. Er plant seinen Dienst in der finnischen Armee im Januar zu beginnen.

Matias hat gute Erinnerungen an Spanien, wie er in seinem Video erzählt. Die schönsten Erinnerungen verbindet er mit den Menschen, die er dort traf.

Welche verborgenen Kompetenzen kann man im Video sehen?

Der erste Teil der Präsentation zeigt, dass Matias Englisch sprechen kann. Es zeigt außerdem, dass er mutig genug ist an einem solchen Projekt teilzunehmen und mit Leuten, die er nicht kennt, ins Ausland zu gehen (er kannte nur eine Lehrkraft). Er hat keine Probleme mit Unannehmlichkeiten, da er bereit war sich ein Zimmer und eine Wohnung mit Leuten, die er nicht gut kennt, zu teilen. Man erkennt auch einen Sinn für Humor, wenn er erzählt und zeigt, was für ein starker Junge er ist.

Das Video, das während des Praktikums aufgenommen wurde, zeigt, dass er sich an veränderte Situationen anpassen kann. Es zeigt auch, dass er Anweisungen annehmen und sich an Regeln halten kann.

Im letzten Teil des Videos, welches einige Monate nach dem Praktikum gedreht wurde, können wir sehen, dass Matias sich weiterentwickelt hat. Er hat eine Stelle (was nicht leicht ist für eine Person mit Behinderung) und plant seine Zukunft, was zeigt, dass er Selbstvertrauen und eine positive Einstellung hat. Er sagt, dass er Küsse auf die Wange wie in Spanien mag, was uns zeigt, dass er sozial ist und keine Angst vor neuen Situationen und kulturellen Eigenheiten hat.

Aus dem letzten Video könnte man auch ersehen, dass Matias entspannter erscheint. Allerdings kann man noch nicht von einer sichtbaren Entwicklung sprechen. Der Zeitraum, in dem die Videos gedreht wurden, ist relativ kurz. Es ist außerdem schwierig zu erkennen, welche verborgenen Kompetenzen im letzten Video durch das Auslandspraktikum hervorgebracht wurden.

Lernende mit besonderen Bedürfnissen zu interviewen ist nicht leicht. Es war schwierig ihnen nicht Wörter in den Mund zu legen. Die Interpretationen können außerdem fehlerhaft sein.

Was haben wir gelernt?

Demnach erscheint es offensichtlich, dass wir mehr Zeit zur Vorbereitung der Lernenden hätten aufwenden sollen. Andererseits ist nicht gesichert, dass die Selbstreflektion der Lernenden dann tiefergehender gewesen wäre. Man darf nicht vergessen, dass diese Lernenden kein konzeptionelles Denken aufweisen und die Welt in einer sehr eigenen Weise sehen.

Während des Praktikums saßen wir jeden Abend zusammen und schrieben einen Blog. Alle wurden gefragt, was während des Tages passiert war und was sie gerne im Blog vermerkt hätten. Dies stellte sich als gute Methode heraus Erfahrungen zu sammeln und zu teilen. Es war auch etwas, das die Gruppe gemeinsam tat.

Mehr Geschichten und Videos

Die spezifische Methodologie der VBS:

  • Augenmerk auf den Inhalt, der für das Leben der jungen Menschen relevant ist,
  • Nutzung moderner und traditioneller Medien,
  • Nutzung audiovisueller Medien als Katalysator für erfolgreiches Lernen,
  • Anreiz zur Selbstregulierung von Bildungsprozessen,
  • Wachsende Effizienz von Lernen durch Felxibilität,
  • Anreiz für Interaktionen zwischen Lernenden und der realen Welt,
  • Wachsende Kreativität, Ausdrucksstärke und Reflexionsvermögen,
  • Nutzung der Ressourcen der Lernenden zur Steigerung ihres Selbstbewusstseins,
  • Vorbereitung von lebenslangem und europäischem organisierten Lernen
  • Flexible Lernansätze für verschiedene und multikulturelle Zielgruppen in sozialer Hinsicht sowie
  • Möglichkeit zur Einbindung in fast alle Curricula aufgrund ihrer offenen Struktur.

Weitere Materialien